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    Oliver Rodenberg
    Moderator

    S-H Seemannsschule HL-Trvmd 1985

    DAMALS

    “Klar bei Riemen!” Seemännische Ausbildung in Lübeck-Travemünde 1985.

    Wer Mitte der achtziger Jahre die Berufslaufbahn zum nautischen Wachoffizier und Kapitän AG einschlug, fand sich am Beginn seiner Karriere unweigerlich auf einer der deutschen Seemannsschulen wieder. Eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung zum Schiffsmechaniker oder – vereinzelt noch – zum Matrosen, mit anschlieβender Mindestfahrtzeit von 18 Monaten, waren  unverzichtbare Voraussetzungen für die spätere Zulassung zum Studium an einer der Seefahrtschulen. Eine Verkürzung der Ausbildungszeit war – auch bei ausgezeichneten Leistungen – nicht möglich.

    Die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule auf dem Priwall in Lübeck-Travemünde war 1985 voll besetzt. Ausbilder und Dozenten waren zum groβen Teil ehemalige Fahrensleute, Kapitäne, Steuer- und  Bootsmänner. Reedereien wie Hapag-Lloyd, Hamburg-Süd, Deutsche Afrika Linien, Deutsche Shell Tanker GmbH, die Standortverwaltung der Bundesmarine für ziviles Bordpersonal und zahlreiche kleinere Reedereien hatten ihre Ausbildungsgruppen hier untergebracht. Jedoch konnten viele Vollgrade nach Abschluss der Lehre nicht von ihren Betrieben übernommen werden. Es war zu viel Personal für zu wenige Bordarbeitsplätze vorhanden. Laut Reedern ging es „schlecht“ in der Seeschifffahrt, Shell beispielsweise flaggte seine komplette Flotte nach Liberia aus. Der deutsche Seemann in den Mannschaftsdienstgraden starb langsam aus.

    Wie anders die Situation für junge, deutsche Patentinhaber zehn Jahre später, Mitte der neunziger Jahre. Wer bis hier hin durchgehalten hatte und mit frischem AGW oder AG Patent mit einer der neuen, aufstrebenden Containerschiffsreedereien unterwegs war, hatte gute Chancen, recht schnell in einem aufsteigenden Markt im Zuge der Globalisierung bis zum Reiseleiter befördert zu werden.

    So passen sich Ausbildungsanforderungen, Beschäftigungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen immer den herrschenden Marktgegebenheiten an. „Shipping is a derived demand“. Der Seemann kann ein Lied davon pfeifen.

    #966 Antworten
    Oliver Rodenberg
    Moderator

    LIOTINA alongside BRAZILIAN PRIDE december 1985 Sirri Island Persian Gulf

    DAMALS

    Tanker War.

    Ship to ship (STS) operation im Persischen Golf. Im Dezember 1985 liegt der unter deutscher Flagge fahrende, in Hamburg beheimatete Groβtanker LIOTINA (Bremer Vulkan 1974, 317.000 tdw) längsseits der BRAZILIAN PRIDE (1975, 372.000 tdw) in iranischen Gewässern dicht bei der Insel Sirri.

    Es ist die Zeit des ersten Golfkrieges zwischen Iran und Irak. Die iranischen Ölverladeterminals auf Kharg Island und die umliegenden Ölfelder im nördlichen Persischen Golf sind schon seit Monaten Ziel der irakischen Luftwaffe (https://www.historytoday.com/history-matters/first-tanker-war). Daher sind die Verladeoperationen in die relativ sicheren Gewässer der Abu Musa Inseln im südöstlichen PG verlegt worden. Sogenannte shuttle tanker befördern unter hohen Risiken iranisches Rohöl von Kharg und dem nördlichen PG nach Sirri, wo es in dort ankernde Stations- oder „mother“-Tanker umgepumpt, und schlieβlich in Tanker verladen wird, die den PG mit dem Exportgut verlassen.

    Die Tanker liegen hier in Päckchen von bis zu drei Schiffen. Mooring operations werden mit minimaler Schlepperhilfe bewerkstelligt. Wurfleinen werden mit Pressluft zum anderen Schiff geschossen. Die LIOTINA übernimmt hier eine Teilladung aus der BRAZILIAN PRIDE. Später macht der Shuttletanker VULCAN (Bremer Vulkan 1975, 317.000 tdw), eine Schwester der LIOTINA, noch an der Steuerbordseite der BRAZILIAN PRIDE fest und pumpt den Rest der Lademenge direkt über das Manifold der BRAZILIAN PRIDE zur LIOTINA. Bestimmung der Ladung wird die Raffinerie auf Pulau Bukom, Singapur, wo die LIOTINA vor Weihnachten 1985 eintrifft.

    Der von der National Iranian Tanker Company eingesetzte Shuttletanker VULCAN hatte während seiner Reisen nicht so viel Glück. Er wurde mehrfach von der irakischen Luftwaffe mit Exocet Raketen attackiert, wobei am Neujahrstag 1986 eine Rakete bis in den Maschinenkontrollraum vordrang, ohne zu explodieren. 1987 wurde die VULCAN – inzwischen unter dem Namen AVAJ – bei Kharg Island während eines Angriffs schwer beschädigt und zum Totalverlust erklärt, es überlebten laut Berichten zufolge lediglich vier Besatzungsmitglieder (http://www.aukevisser.nl/supertankers/VLCC%20B/id1159.htm).

    Ab 1987 erreichten irakische Luftangriffe auch die Abu Musa Inseln inklusive Sirri Island, womit STS operations und das Befahren dieser Gewässer auch hier sehr gefährlich wurden.

    Insgesamt über 400 zivile Seeleute sollen Angaben zufolge im sogenannten Tanker War ums Leben gekommen sein.

    OR

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