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Oliver Rodenberg
Moderator

ESTEEM ASTRO

Auch ein Tanker muss mal tanken

Auf der Suche nach den günstigsten Brennstoffpreisen lassen Reeder ihre Schiffe mitunter beträchtliche Umwege fahren. So verlassen regelmäßig Frachter ihre ursprüngliche Reiseroute, um beispielsweise eine für ihre konkurrenzfähigen Bunkerpreise bekannte Reede in niederländischen Gewässern anzusteuern.

So ankerte im Mai 2022 neben vielen anderen Schiffen die ESTEEM ASTRO (310.000 tdw, JMU Japan Marine United Co. Ariake Shipyard 2019) in Ballast auf der Everingen Anchorage. Die Ölladung hatte das Schiff zuvor in den französischen Häfen Antifer und Le Havre gelöscht. Obwohl das nächste Ziel Galveston im US Bundesstaat Texas war, setzte man dann zunächst einen Kurs nach Norden ab und versegelte den Tanker in die niederländische Scheldemündung, um dort zu bunkern.

Günstigen Treibstoff zu bunkern ist das Eine, Brennstoff eizusparen, das Andere. Der Tanker hatte diesbezüglich eine interessante Reise hinter sich. Geladen wurden knapp 300.000 Tonnen Rohöl zweier Sorten im saudi-arabischen Ras Tanura und im irakischen Basrah im Persischen Golf. Daraufhin wurde auf der Reise nach Frankreich der ägyptische Tankerterminal von Ain Sukhna im Golf von Suez angelaufen und ein Teil der Ölladung gelöscht, bis das Schiff von einem ursprünglichen Tiefgang von 19 m auf 16 m geleichtert war. Mit diesem Tiefgang konnte das Schiff nun den Suezkanal passieren. Der maximale zulässige Tiefgang für den Suezkanal errechnet sich aus der Schiffslänge und der -breite und betrug für dieses Schiff 16,74 m.

Inzwischen war die gelöschte Teilladung von Ain Sukhna durch die Sumed-Pipeline, die den Golf von Suez mit dem Mittelmeer verbindet, nach Sidi Kerir westlich von Alexandria gepumpt worden, wo die ESTEEM ASTRO diese wieder aufnahm und die Reise mit 19 m Tiefgang zum Bestimmungshafen in Frankreich fortsetzte. Trotz aller Schlepper-, Liegeplatz-, Lotsen- und Kanalgebühren war dies günstiger, als die lange Reise um das Kap der Guten Hoffnung herum.

Das Ziel, Treibstoff zu sparen, zeigt sich heutzutage selbstverständlich auch im modernen Schiffsdesign. So sind bei diesem Supertanker neben einer optimierten Form des Unterwasserschiffes die Aufbauten schmal gebaut, um den Luftwiderstand bei Fahrt zu reduzieren. Teile der Aufbauten sowie alle Stahlstützen sind nach vorn hin abgerundet, um den Fahrtwind geschmeidig abzulenken und auch dadurch den Widerstand zu verringern und Treibstoff einzusparen. Die Hauptmaschine ist selbstverständlich state of the art in Sachen Wirtschaftlichkeit. Trotzdem bleibt am Ende bei beladenem Schiff ein Bunkerverbrauch von 60 Tonnen Schweröl am Tag zu notieren.

Wie international die Schifffahrt ist, zeigt exemplarisch ein Blick auf die Daten dieses Schiffes:

2019 gebaut auf einer Werft in Japan, ist der offiziell eingetragene Eigner eine Briefkastenfirma in Amsterdam (man bedenke, dass die Niederlande eine Steueroase sind), die Investoren bleiben im Hintergrund. Der technische Betreiber ist eine Firma in Japan, kommerzieller Betreiber und Charterer sind ein US-Ölmulti aus Texas. Die fachkundige und freundliche Besatzung kommt aus Indien und den Philippinen. Das Schiff fährt unter der Flagge Panamas. Zu guter Letzt lotste das Schiff ein Deutscher im Dienste des Niederländischen Lotsendienstes.

Aufbauten

Eine Wanderung von zehn Runden um das Hauptdeck resultiert in einer abgelegten Strecke von etwa 7 km. Ausreichend Bewegung während einer Ankerwache.